Trainertips für die Weiterbildung von Parkinsonisten

Ein Parkinsonist, der freiwillig eine Weiterbildung besucht, hat bereits einen großen Schritt vollzogen: Er hat erkannt, daß er mit dem "Verkriechen im Schneckenhaus" nicht weiterkommt. Und außerdem hat er, wenn vielleicht auch noch nicht bewußt, angefangen, seine Krankheit zu akzeptieren und beschlossen, mit ihr zu leben.

Behandele Deine Teilnehmer wie erwachsene Menschen

Das mag auf den ersten Blick albern klingen, aber genau dieses Verhalten ist der Punkt, der mir von sehr vielen Parkinsonisten immer wieder hoch angerechnet wird: Laß‘ das betuliche Pflegeheimgebabbel ("Naaaa? Wie geht’s uns denn heute?"), Deine Teilnehmer mögen vielleicht diverse körperliche, motorische und sprachliche Eigenheiten aufweisen, deswegen sind sie aber noch lange nicht dämlich.

Behandele Deine Teilnehmer wie gesunde Menschen

Hilf ihnen auch nicht mehr als Du gesunden Menschen helfen würdest, es sei denn, sie bitten Dich darum. Kaum etwas ist herabwürdigender für einen Behinderten, als wenn alle Welt ihm ständig bei alltäglichen Dingen unter die Arme greifen will, denn viel konkreter kann man ihn gar nicht auf seine Andersartigkeit hinweisen.

Denk dran: Diese Menschen leben mit der Krankheit, und das nicht erst seit gestern.

Motiviere Deine Teilnehmer

Angeknackstes Selbstvertrauen läßt sich nicht wegdiskutieren. Schaff‘ Deinen Teilnehmern Beweise, daß sie’s können! Erste kleine Erfolge im Seminar lassen bei vielen schnell ihre ängstliche Haltung vergessen, also sorg‘ dafür, daß sich sowohl zu Beginn des Seminars als auch immer wieder im weiteren Verlauf kleine Erfolge einstellen, Aufgaben, die zwar nicht ganz leicht, aber lösbar sind, Ideen der Teilnehmer, die erfolgreich umgesetzt werden, etc.

Ignoriere die Symptome

Ob ein "normaler" Teilnehmer niest oder hustet, oder ein Parkinsonist plötzlich von Tremor oder Rigor heimgesucht wird, in beiden Fällen sollte Dein Verhalten dasselbe sein: Nimm es hin (aber sag‘ lieber nicht "Gesundheit", wenn der Tremoranfall vorbei ist... ;-)).

Behandele alle gleich

Grade bei Teilnehmern mit Sprachstörungen und –hemmungen solltest Du darauf achten, daß diese auch zu Wort kommen. Das dauert vielleicht manchmal etwas, und dann und wann wirst Du nachfragen müssen, aber nimm Dir die Zeit!

Hole sie aus dem Schneckenhaus

Wenn es irgendwie möglich ist, stelle ihnen Aufgaben, zu deren Lösung sie mit anderen Menschen in Kontakt treten müssen. Du kannst die Gesellschaft nicht ändern, die auf Parkinsonisten herabblickt, also bring Deinen Teilnehmern bei, damit umzugehen.

Olaf Lischke

"Psychologische Effekte bei Parkinsonisten"
"Parkinson und Weiterbildung"


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