Parkinson-Netz

Parkinson und Sexualität

Wolfgang Kalischewski


Die folgenden Ausführungen fassen zusammen:

Hinweis: mit "Patient" ist stets Patient / Patientin gemeint.

Die Diskussion über sexuelle Probleme ist auch heute noch ein Tabu-Thema. Es fällt schwer, sich von gesellschaftlichen Leitbildern (der omnipotente Mann und dem Reiz-Reaktions-Muster (autonome Abläufe des Nervensystems) zu lösen.

Tatsache ist, daß als Folge der Parkinson-Erkrankung viele spezifische Probleme auftreten können. Je jünger die Betroffenen sind, desto folgenreicher sind die Auswirkungen. Eine amerikanische Studie gibt an, daß 80 % der erkrankten Frauen und Männer von gravierenden Veränderungen in ihrer Sexualität berichten.

Sexuelle Probleme betreffen Männer und Frauen, sind unabhängig vom Alter, zeigen sich als Verringerung oder auch als Steigerung der Libido, können sichtbar sein (besonders beim Mann) oder "unsichtbar" die Psyche beeinträchtigen. Störungen können "situativ" oder "permanent" sein. Oft treten Begleitsymptome wie Schmerzen, Depressionen oder Bewegungseinschränkungen in den Vordergrund. Permanente Störungen können ein Indiz für organische Störungen sein. Aufgrund der gesellschaftlichen Tradition werden sexuelle Probleme zu 80 % aus der Männersicht behandelt.

Der überwiegende Teil aller Störungen ist auf Probleme psychischer und seelischer Disposition zurückzuführen. Nur etwa 20 % der Störungen sind auf organische Fehler zurückzuführen. So ist die frühmorgendliche Versteifung des Gliedes als ein Hinweis auf intakte körperliche Funktion zu werten. Störungen in der Sexualität sind selten isoliert auf eine Ursache hin zu sehen.

Psychische Ursachen:

Stichwort Fallbeschreibung Anregung

Libido eine 75jährige Dame verspürt nach Einnahme einer neuen Medikation einen sehr starken sexuellen Trieb. Sie fühlt sich damit unwohl; sie empfindet es in ihrem Alter als unnormal Steigerungen der Libido stehen häufig im Zusammenhang mit der Einnahme bestimmter Medikamente. Aphrodisierende Effekte sind von Bromocriptin, Lisurid, L-Dopa-Präparate und allen Agonisten bekannt.

Alle Anticholonergika können die Libido heruntersetzen; oft führt es zu einer verzögerten Ejakulation und einer ungenügenden Peniserektion.

Doch was ist Normalität des sexuellen Bedürfnisses ? Das Leitbild des Idealmannes gaukelt uns einen Mann vor, der jederzeit in der Lage ist, den Verkehr zu vollziehen. Es gibt keine Norm, wer wie oft und wie lange den Verkehr ausüben soll / kann. Liebevolle Partnerbeziehung umfaßt viele Aktivitäten, nicht nur den Geschlechtsakt.

Müdigkeit / beruflicher Streß können eine freie Entfaltung der Libido verhindern. Sexueller Genuß setzt Ruhe, Hingabe und seelisches Gleichgewicht voraus. Das Gefühl ist immer dabei. Der mit Hilfsmitteln vollzogene Verkehr garantiert keine sexuelle Entspannung.

Potenzstörungen Wichtigster Schritt ist das offene Gespräch unter Partnern und das Einleben und Einfühlen in neue Formen des intimen Zusammenlebens. Bei allen unklaren Potenz- und Libidostörungen ist eine Bestimmung der Prolaktinwerte angezeigt. Je höher der Prolaktinwert ist, desto tiefer fällt die Konzentration des Testosterons im Serum. Ein niedriger Serum-Testosteron-Wert ist fast immer mit Verlust der Libido und beeinträchtigter Erektion verbunden. Die Prolaktin-Normwerte liegen zwischen 5-15 ng/ml. Der Agonist 'Pravidel" hemmt den Prolaktinwert.

Erektionsstörungen Das Glied wird nicht steif / die Vagina bleibt trocken Der Verkehr kann nicht durchgeführt werden, weil die Erektion nicht genügend lange anhält. Männer neigen dazu, alle auf dem Markt erhältlichen Pulver und Kräuter auszuprobieren. Ein medizinischer nachweisbarer Nutzen solcher auf dem freien Markt angebotenen Mittel besteht meist nicht. Für die meisten bleibt es nur eine traurige aber teure Erfahrung.

Einzig die Vakuum-Pumpe verhilft hier zu Erfolg. Prostaglandin-Spritzen und Implantate sind mit Vorsicht zu erwägen.

Gegen Vaginaltrockenheit helfen Cremes. Im Rahmen der Schlafforschung wurden Methoden entwickelt, die Erektionsfähigkeit meßtechnisch nachzuweisen. Auffällig ist,. daß die überwiegende Zahl sexueller Hilfsmittel für den Mann konzipiert wurde. Das liegt wohl daran, daß Männer unter der Sichtbarkeit ihrer Probleme leiden. Fehlende Erektion verhindert den normalen Vollzug eines Koitus. Der Verlust der Erektion bedeutet für viele Männer das Ende der Männlichkeit. Befriedigung der Partnerin kann auch ohne Penetration erreicht werden. Eine sehr gute Beschreibung dieser Probleme findet sich in der Literatur Nr. 10, Seite 57 ff.

Ejakulationsströrungen Trotz positiver Einstellung zur Sexualität und "durchstandener" Erektion treten Fälle auf, in denen es nicht zum Samenerguß kommt.

kein Orgasmus

Gefühlskälte, fehlende Sensibilität "Nichts regt sich". Die Einschränkungen der Körperbeweglichkeit, die rigor- und akinesebedingt sind, können allein dadurch Schwierigkeiten verursachen, daß sie die mechanischen Aspekte des Geschlechtsverkehrs erschweren.

Oft hilft es, ein sexuelles Klima zu schaffen. Verführen Sie Ihren Partner einmal nach allen Regeln der Kunst. Die Besserung der Symptome durch L-Dopa führt auch zu einer Wiederkehr der normalen sexuellen Aktivität, hauptsächlich, indem sie diese mechanischen Hindernisse beseitigt.

Lösung: Liebe geht durch den Magen

Ein Speisezettel mit den
beliebtesten Aphrodisiaka

AalPhallusbelebung
Austern Libidosteigerung
Ginseng Potenzsteigerung
Honig Kräftigung
Spargel Libidosteigerung
Hummer Kräftigung
Knoblauch Libido
KaviarSensibilität
Pfirsiche Libido
Trüffeln Libido

Ich würde mich freuen, wenn diese Ausführungen den Leser / die Leserin neugierig gemacht haben und zu einem Meinungs- und Erfahrungsaustausch führen.


Literaturliste zum Parkinson-Problem "Sexualität und Liebe" Stand 9/96


Lit. 1 Wermuth, Stenager, Acta Neurol

1995 Sexual problems in young patients with Parkinsons disease

(Aufsatz einer Fachzeitschrift)

Lit. 2 Lilly (Hrsg) Morbus Parkinson

1993 Vegetative Störungen (III)

(Fachbuch; sehr gute Basisinformation)

Lit. 3 Duvoisin Die Parkinson-Krankheit

1994 Sexuelle Funktionsstörungen

(Fachbuch für Patienten, ....)

Lit. 4 Ludin Das Parkinsonsyndrom

1995 Ratschläge für den Patienten, S. 28

(Fachbuch für Patienten, ....)

Lit. 5 Scholz, Oertel Parkinson-Syndrome

ohne Jahr Vegetative Syndrome

Brand, Dichgans, Diener (Hrsg):

Lit. 6 Sandoz (Hrsg.) Dopaminstörungen, Diagnose und Therapie

ohne Jahr Prolaktin und Medikamente

Praxisbuch

Lt. 7 Thümler Die Parkinson Krankheit Piper TB s. 66

1994

Lit. 8 MS (Hers) Zeitschrift Nr. 160 von 3/93

1993

Lit. 9

Bock/Götz Parkinson - Hilfe und Selbsthilfe S. 50 ff

1995

Lit. 10 Offenhausen Behinderung und Sexualität

1995 Reha-Verlag

Lit. 11 über Internet Sexual problems in young patients

1995 Eigener Ausdruck


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