Ernährung bei Morbus Parkinson

Manfred Hilbig


Normalerweise wird bei einer medikamentösen Einstellung wie auch bei der laufenden Betreuung durch den Neurologen oder Hausarzt wenig bis gar nicht über Ernährung diskutiert. Meistens beschränkt sich alles auf den Hinweis, Alkohol zu meiden.

Andererseits sind wir Menschen so eng dem Gewohnten und Hergebrachten verhaftet, daß Änderungen auf dem Feld der Ernährung erst gar nicht in Betracht gezogen werden.

Tatsache ist aber, daß der gesamte Organismus letztlich über chemische und elektrische Vorgänge funktioniert. Weiterhin ist inzwischen bekannt, daß unser Organismus ganzheitlich betrachtet werden muß. Das heißt aber, daß jede Veränderung, jede Einflußnahme, wo auch immer,
auf das Ganze wirkt.

Nun wird der Stoffwechsel, die Lebensfunktionen, der gesamte Energiehaushalt aufrecht erhalten ausschließlich durch ständiges Zuführen von Nahrung.

Das war der erste Punkt, den meine Frau und ich damals einer neuen und eingehend kritischen Betrachtung unterzogen. Es wurde sehr lustig und aufschlußreich.

Jeder Pkw-Halter würde sich empört weigern, wenn ihm die Tankstelle minderwertigen oder gar den falschen Treibstoff anböte. "Der Wagen soll ja noch ein paar Jährchen fahren"

Hingegen wird unser körperliches Betriebssystem meist sehr kritiklos mit unzulänglichen und falschen Energieträgern gefüttert. Einerseits, weil das Angebot an Lebensmittel kaum zu überprüfen ist, andererseits und zwar viel häufiger, weil jeder meint, er könne auf bestimmte liebgewordenen Gewohnheiten nicht verzichten, das Genußerlebnis ginge verloren. "Was bleibt mir dann noch, wenn ich auch darauf verzichten soll."

Das aber ist die falsche Denkweise. Es geht nicht darum, etwas für immer aufzugeben und zu verlieren. Es geht einzig darum, das für den aktuellen Zustand Richtigere zu erhalten und damit wieder höhere Lebensqualität zu bekommen.

Wir nahmen also unsere Essgewohnheiten unter die Lupe. Schnell kamen wir darauf, daß zu unterscheiden ist zwischen "Lebens" - mittel und "Nahrungs" - mittel. Letztere haben ihren Wert auf Grund der hohen Belastung mit Schadstoffen nur noch als Sättigungsfüllmenge.
Als Nahrung, Treibstoff für unseren Organismusmotor sind sie fragwürdig geworden.

Der Einkauf gestaltete sich also schon sorgfältiger, Produkte wurden verworfen, Lieferanten gewechselt. Es ist erstaunlich, in wieviel Nischen doch noch gute Lebensmittel zu erhalten sind. Keiner sage, das macht zu viel Mühe. Es ist einzig die Frage, ob ich mir selbst das wert bin, mir die Qualität meines Lebens so lange als möglich zu erhalten.

Es ist beachtlich, wieviel Quellen sich auftun, wenn nach ihnen ernsthaft gesucht wird, weil ein bestimmter Zustand bzw. Verhalten geändert werden soll.

Wir erfuhren also auch, daß zuviel Eiweiß die Zufuhr des eingenommenen Dopamin über die Hirn-Blut-Schranke verhindert. Also untersuchten wir unseren Eiweißverzehr.

Seit 1989 sind wir fröhliche und leistungsfähige Vegetarier.

Man braucht gar nicht auf die zahlreichen Fleischskandale hinzu weisen, bei denen aus Profitsucht Lebensmittel praktisch vergiftet wurden und immer wieder werden.

Der Mensch ist zwar von Natur aus ein Allesfresser. Dennoch ist unser derzeitiger Fleischkonsum nicht normal. Er war auch in früheren Zeiten nicht so hoch. Erst seit Ende des 2. Weltkrieges, sicherlich aus dem psychologischen Grund des Verzichts und unter den Gesetzen des Wirtschaftsmarktes ist der Konsum von Fleisch so enorm angestiegen.

Naturgemäß ist der menschliche Darm auch gar nicht für diese horrende Fleischmengen ausgelegt. Fleischfresser haben ein sehr kurzes Darmsystem, Pflanzenfresser ein sehr langes, der Mensch liegt etwa dazwischen. Das bedeutet aber auch, daß bei zu hohem Fleischverbrauch zu viele Fleischreste zu lange im Darm verbleiben und schon vor der Ausscheidung in Fäulnis übergehen.

Es gibt genügend andere pflanzliche Eiweißspender.

Vor allem nehme ich den Hauptanteil meiner benötigten Eiweißmenge vorwiegend mit der Abendmahlzeit ein, damit mir mein Dopamin-Kontingent den Tag über voll zur Verfügung steht.

Weiterhin achten wir auf Ausgewogenheit der Nahrung nach dem Yin -Yang - Prinzip. Dabei handelt es sich um eine alte östliche Tradition der Nahrungszubereitung, die sich aber auch sehr gut mit unseren Früchten und Gemüsen zu verwirklichen ist. Meine Lust an den täglichen Mahlzeiten und mein Appetit sind ungebrochen. Und wer da schreit: Körnerfresser! hat keine Ahnung , eine nur geringe Phantasie und soll sich bei Gelegenheit Rezepte bei uns abholen. Eingeladene Nichtsahnende speisen bei uns voller Vergnüglichkeit und haben am Ende selten bemerkt, daß kein Kotelett auf dem Teller gelegen hat.

Übrigens habe ich mit viel Freude das Kochen in dieser neuen Weise erlernt. Der Gedanke dabei, mir selbst etwas Gutes, Kostbares, nämlich meine Lebensenergie zuzubereiten, bringt mir Entspannung und balanciert meine Psyche aus.

Niemehr bin ich in den letzten Jahren seit dieser Umstellung mit einem Völlegefühl vom Tisch aufgestanden, die Verdauung und der Stuhlgang sind völlig unbelastet, gehen so leicht und selbstverständlich wie jeder Atemzug. Entsprechend meinem jeweiligen Appetit kann ich mich satt essen, ohne an Gewichtsprobleme zu denken. Früher hatte ich Probleme mit zu hohem Blutdruck und nahm schwere Medikamente. Seitdem wir uns wie beschrieben ernähren, ist mein Blutdruck in Permanenz normal. Und sogar die Geschmackszellen sind empfindlicher geworden.

Wer weiß eigentlich noch, wie eine Erbse auf der Zunge schmeckt oder welche Süße eine Möhre vermittelt?

Es existieren Studien, in denen wird nachgewiesen, daß bei o.a. Ernährungsweise der Bedarf an Medikamenten bis zu 41% gesenkt werden kann. (s. Brain - Food von Dr. Arthur Winter/ Ruth Winter Verlag Bruno Martin, 1. Auflage 1988 S. 35 ff )

Keiner sage, diese Ernährungsweise sei zu kostspielig und zu abgehoben.

Da auf dem Einkaufszettel die ganzen Fleisch- und Wurst- Portionen fehlen, der viele Alkohol und die div. Süßigkeiten, ernähren wir uns unter dem Strich billiger als sonst.

Aber was ist das aller Wichtigste?

Daß wir in dem uns auferlegten Schicksal unsere Psyche so gut wie nur möglich stabilisieren,
daß wir nicht gegen unsere Krankheit leben sondern mit ihr, sie als Wegweiser für eine neue,
eine andere als bisher gelebte Lebensweise erkennen und anerkennen.

Meine Lebensqualität hat sich seit dem Tag der Diagnose grundsätzlich gewandelt,
ist reicher und vielfältiger geworden.

Darüber und über andere Aspekte der Lebensgestaltung demnächst am selben Ort mehr.

Da meine Frau und ich das alles nicht selbst ausgedacht haben, um auch die Informationen zu vervollständigen und der ganzen Angelegenheit den nötigen wissenschaftlichen Boden zu geben, nun ein Hinweis auf einschlägige Literatur.

Literatur:

Inge Prächtel
Das vegetarische Kochbuch

Verlag Gräfe und Unzer
Natoru Muromota
Heile dich selbst durch bewußte Ernährung

Verlag Hugendubel
Anna Thomas
Das große Buch der veget. Küche

Verlag M. Pawlak
N.N.
Die vegetarische Küche

Verlag Unipart
Hrsg.: "Katalyse" Institut für angewandte Umweltforschung
Was wir alles schlucken
Steve Acuff
Das makrobiotische Gesundheitsbuch

Verlag Goldmann
H. u. M. Diamond
Fit for Life I u. II

Goldmann Verlag
Dr. A. Winter / R. Winter
Brain - Food

Verlag Bruno Martin
J. Holler
Das neue Gehirn

Verlag Bruno Martin
N.N.
Nahrung ist die beste Medizin ( keine weiteren Angaben möglich, da ausgeliehen )
N.N.
Deine Nahrung sei Deine Medizin - 188 wissenschtl. Studien

Verlag Ost - West - Bund

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